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Philipp Poisel

Philipp Poisel "Projekt Seerosenteich"Philipp Poisel "Projekt Seerosenteich"Philipp Poisel "Projekt Seerosenteich"Philipp Poisel "Projekt Seerosenteich"copyright by Christoph Koestlin

Dass Philipp Poisel inzwischen zu einer Art Popstar geworden ist war auf jeden Fall keine Absicht. Wirklich gute Sachen passieren meist ganz einfach so und am Ende war alles wie selbstverständlich. Der Sänger aus Stuttgart, der 2008 mit seinem Debüt „Wo fängt dein Himmel an“ bereits weit mehr als einen Überraschungserfolg landen konnte, versteht es auf eine erfrischend unaufgeregte Art, in leiser Nachdenklichkeit die ganz großen Gefühle auf die Bühne zu bringen. Mit dem Nachfolgealbum „Bis nach Toulouse“ (2011) wuchs auch die Fangemeinde, Poisels Beitrag „Eiserner Steg“ zu Matthias Schweighöfers Film „What a Man“ erreichte Platz 4 der deutschen Single Charts, und eine viertel Million verkaufter Tonträger später wurden beide Alben mit Gold geadelt.

Trotz des großen Erfolges erwehrte sich Philipp Poisel der üblichen Klischees der Popmusik. Sein aktuelles Live Album „Projekt Seerosenteich“ stellt dies eindrucksvoll unter Beweis. Um der Unpersönlichkeit der immer größer werdenden Konzerthallen zu entfliehen und die Besondere Intimität seiner frühen Konzerte für seine Fans zu bewahren rief Poisel das „Projekt Seerosenteich“ ins Leben, eine Konzertreise die den Künstler mit Band, Streichquartett und Ballet Tänzerinnen durch kleine Opern- und Theatersäle der Republik führte. Alles Vorherige noch einmal unter die Lupe nehmen, neu arrangieren, sich mit der Band und Freunden in einer Tischlerei einmieten und Bühnenbilder schreinern. Bis ins kleinste Detail seine eigene Ideenwelt auf die Bühne bringen und sie in Eigenregie inszenieren. Der Titel „Projekt Seerosenteich“ geht auf den gleichnamigen Song des Debütalbums „Wo fängt dein Himmel an?“ zurück – ein sehr ruhiges und kontemplatives Stück – zwei Verliebte in einem verschneiten Zoo, der Seerosenteich als magischer Ort, die Kapuzen zugezogen – fast wie Eskimos.

Das Ergebnis ist etwas das der gegenwärtige Musikmarkt oft vermissen lässt – etwas Bleibendes, dennoch Flüchtiges, das sich eigentlich nur den Glücklichen vollständig offenbart hat die ein Ticket für die vollständig ausverkaufte Tour ergattern konnten. Denn was an diesen Abenden von Philipp und seinen Mitstreitern auf die Bühne gezaubert wurde, war jenseits aller bekannten Konventionen und bewegte sich traumtänzelnd zwischen Unplugged Konzert, Varieté und Theater. Für jeden Song gab es ein eigens angefertigtes, handbemaltes Bühnenbild – in den Umbaupausen wurden kleine Zirkuskunststücke aufgeführt. Musikalisch wurde das Spektrum um ein vierköpfiges Streichquartett, ein altes Klavier und eine engelsgleich singende Alin Coen erweitert. In einem der besten Momente singen Philipp und Alin vom Bühnenrand den Song „Wie soll ein Mensch das ertragen“ und überlassen die Bühne vier Ballerinas die es verstehen mit ihren Bewegungen jedem Wort Nachdruck zu verleihen. Am Ende waren die Anwesenden einfach nur „Froh dabei zu sein“.

Dass es gelungen ist einen Großteil dieser Magie auf dem Live Album einzufangen zeigt sich wohl am besten am Charteinstieg des Albums von null auf eins in die deutschen Album Charts. Trotzdem: live bleibt live – deshalb wird die Konzertreise im Herbst und Frühjahr 2013 fortgesetzt – für alle die, die noch nicht dabei waren oder noch einmal dabei sein müssen. Philipp Poisel hat es mit dem „Projekt Seerosenteich“ geschafft sich ganz unaufgeregt als der große deutsche Songwriter zu präsentieren, der er von Anfang an war. Eben ein Künstler – kein Popstar.